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Privilegierte
Apotheke
am Markt

© Peter Sommer

November 2006

 

 

 

Vom Pillendrehen

Holz-Pillenbrett aus der Sammlung der Privilegierten Apotheke

 

 

Bis heute werden die Apotheker im Volksmund als "Pillendreher" bezeichnet. Die Pillen waren eine uralte feste orale Arzneiform, die noch bis in die 80er Jahre ausschließlich handwerklich in der Apotheke hergestellt wurden. Waren sie in den 60er Jahren  noch ein beliebtes Prüfungsfach im Pharmazeutischen Praktikum, so wurden sie inzwischen  als feste orale Arzneiform in der Rezeptur durch die Gelatine- Steckkapseln abgelöst. 

 

Die Herstellung der Pillen

 Pillen nennt man Arzneizubereitungen von kugelförmiger Gestalt und einem Einzelgewicht von 0,1g. Die Herstellung von Pillen erfordert Übung und Erfahrung. Als Pillenmasse hat sich Hefeextrakt am besten bewährt, weil er leicht zu verarbeiten ist, im Verdauungstrakt leicht zerfällt und beim Lagern nicht hart wird.

Das "Anstoßen" der Pillenmasse geschieht in einem tiefen meist eisernen Pillenmörser unter Zugabe einer Mischung von gleichen Teilen Glycerin und Wasser. Die Masse darf weder am Mörser kleben bleiben noch bröckelig werden. Zuerst werden die festen, später die flüssigen Bestandteile zugegeben.

Die gut durchgeknetete Pillenmasse wird auf dem Pillenbrett zu einem gleichmäßigen Strang ausgerollt, dabei entspricht die Länge des Stranges der Länge der in 30 Felder unterteilten Schneiden.

Das Formen der Pillen geschieht ebenfalls auf dem Pillenbrett. Dazu legt man den Strang auf die untere der zueinanderpassenden Schneiden, durch die die Pillen unter leichtem Druck abgeteilt werden.

Das Nachrunden der Pillen geschieht mit einem Pillenroller, am Ende wird Lycopodium (Bärlapp-Sporen) dazu gegeben, damit die Pillen nicht an einander kleben.

Zur Verzögerung der Absorption der Pillen im Magen oder Darmkanal kann man die Pillen lackieren, dazu benutzte man damals eine weingeistige Lösung von Tolubalsam.

 

Pillen- Rezept

Pillenrezept aus der Zeit vor 1865

In der Regel wurden Pillen vom Arzt verordnet, und zwar nach den Rezeptvorschriften RF (Reichsformeln) und DRF (Deutsche Rezepturformeln). Die normale Verordnungsmenge (Dosis 1) waren 60 Pillen. Das DRF kennt über zwanzig verschiedene Pillen- Rezepturen. Am häufigsten wurden Pilulae laxantes (Abführpillen) verordnet.

Heute versteht man unter einem "Pillen- Rezept" etwas anderes.

 

Tradition und Fortschritt
Privilegierte Apotheke am Markt
 

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