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Privilegierte
Apotheke
am Markt
© Peter Sommer
September 2009
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Die (Blei)-Pflaster

Emplastrum in einer
Spanschachtel aus dem 19. Jahrhundert,
aus der Sammlung der Privilegierten Apotheke am Markt
| "Dieses köstliche Emplastrum
hat alle Eigenschaften, welche die Pflaster von der besten Kompositionen
in sich enthalten. Es heilet alle Wunden und äußeren Schäden, reiniget
dieselben und läßt kein todtes Fleisch darin entstehen und stillet den
kalten Brand. Es bewirkt schnell, daß eingestochene Spreisel und
dergleichen ausgezogen werden können, ist gut für Hundsbissen und für
das Rotlaufen oder die Rose. Ferner zieht es den Eiter aus den
Geschwülsten und läßt keine Hitze dazu kommen, macht alle harten
Geschwülste und Beulen weich und bringt auch die erfrorenen Glieder
wieder zurechte. Wird präpariert und zugerichtet von einem examinierten
und verpflichteten Laboranten." |
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Emplastra

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Emplastra
sind die Ur- Pflaster. Diese waren zum äußerlichen Gebrauch bestimmte
Arzneizubereitungen, deren Grundmasse aus Bleisalzen höherer Fettsäuren
bestand und durch Kochen von Bleiglätte mit Fetten hergestellt
wurde.
Für das einfache Bleipflaster (Emplastrum Lithargyri) wurden nach dem
Deutschen Arzneibuch je 1 Teil Erdnussöl, Schweineschmalz und Bleiglätte
benötigt. Die Blei- Pflaster wurden in Tafeln, Stangen oder Stücke von
verschiedener Form gebracht oder auf Stoff gestrichen. Sie waren bei gewöhnlicher
Temperatur fest und in der Hand knetbar. Im 19. Jahrhundert waren sie eine
verbreitete Arzneiform. In der Rezeptur der Privilegierten Apotheke gab es
eigens einen Schrank mit diversen Schubladen zur Aufbewahrung der
Pflaster. Dort wurden die Emplastra locker zwischen Pergament oder
Wachspapier gelagert.
Die älteste Art der Pflaster wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch die
Kautschukpflaster (Collemplastra) verdrängt, welche hauptsächlich als
gestrichene Pflaster mit Pflasterstreichmaschinen hergestellt wurden.
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Bleipflastersalbe
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Das
einfache Bleipflaster behielt bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts
seinen Platz in der Apotheke. 2 Teile Bleipflaster wurden nach dem
Arzneibuch mit 3 Teilen weißem Vaselin zur Bleipflastersalbe (Unguentum
diachylon) verarbeitet, welche noch häufig in Salben- Rezepturen
Verwendung fand. |
Spezialpflaster
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Der
Pflastermasse wurden verschiedene Wirkstoffe beigefügt. Zur Herstellung
wurden zunächst die schwer schmelzbaren Stoffe für sich geschmolzen.
Beigefügt wurden zum Beispiel zum Belladonna-Pflaster mit Wachs und
Terpentin extrahierteTollkirsch- Blätter. Auch Canthariden- Pflaster
waren sehr beliebt. Die gepulverten Spanischen Fliegen, die stark die
Durchblutung förderten und auch als Aphrodisiakum (Liebesmittel) benutzt
wurden, wurden dazu in Terpentin gelöst und mit Erdnussöl und Wachs
geschmolzen. Für das Capsicum- Pflaster, das spätere
ABC-Pflaster, wurde Capsicum- Extrakt vorher in Harz geschmolzen, das
fertige Pflaster war mit Drachenblut rot zu färben. |
Heftpflaster
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Urahn des
heutigen Hansaplast war das Emplastrum adhaesivum (Heftpflaster). Dem
Bleipflaster wurden Geigenharz, Dammarharz oder Kautschuk beigefügt, die
dem auf Stoff gestrichenen Bleipflaster Klebkraft verleihen sollten.
Apotheker Beiersdorf entwickelte später das Zinkoxid-Kautschuk-Pflaster
(Collemplastrum Zinci), das als Hansaplast weltberühmt wurde. |
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Tradition
und Fortschritt
Privilegierte
Apotheke am Markt |
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